Gibt es den Versuch eines Regelbeispiels?

Grundsätzlich nicht da § 22 nur den Versuch von Tatbeständen (also z.B. auch Qualifikationsmerkmalen) regelt.

Es stellt sich aber die Frage, ob die Indizwirkung des Regelbeispiel auch dann besteht, wenn es lediglich versucht wurde. Der BGH geht davon aus, dass ein versuchtes Regelbeispiel neben einem vollendeten Diebstahl keine Berücksichtigung findet. Neben einem versuchten Diebstahl, bei dem eine Strafmilderung möglich ist, verschärft es jedoch die Schuld.

Wie wird das unechte Unterlassungsdelikt geprüft?

Der objektive Tatbestand besteht im Wesentlichen aus folgenden Punkten:
1. Erfolg
2. Nichtvornahme einer erforderlichen, gebotenen und subjektiv möglichen Handlung
3. Garantenstellung
4. Quasikausalität
5. Pflichtwidrigkeitszusammenhang

Dementsprechend muss sich der Vorsatz dann natürlich auch auf die Garantenstellung beziehen.

Im Rahmen der Schuld ist noch die Möglichkeit der Entschuldigung aufgrund der Unzumutbarkeit normgemäßen Verhaltens zu prüfen.

Wer ist mittelbarer Täter?

Mittelbare Täterschaft liegt vor, wenn ein Hintermann den Täter wie ein Werkzeug „in der Hand hält“ und dieser einen „Defekt“ aufweist. Dieser Defekt muss in einem der Prüfungspunkte des Delikts gegeben sein, also im Tatbestand, in der Rechtswidrigkeit oder in der Schuld.

Wo wird die Fahrlässigkeit geprüft?

Die Fahrlässigkeit muss doppelt vorliegen:

  • Im Rahmen des (nur objektiven) Tatbestands muss ein Außerachtlassen der objektiven Sorgfalt gegeben sein.
  • Im Rahmen der Schuld muss dem Täter vorzuwerfen sein, dass er nach seinem persönlichen Kenntnisstand in der Lage war, die objektiven Anforderungen an die Sorgfalt zu erfüllen.

Ist die Vermeidbarkeit des Verbotsirrtums relevant?

Nein, ein Verbotsirrtum schließt den Vorsatz immer aus, auch wenn er vermeidbar war. Die Vermeidbarkeit wird erst im Rahmen der sich anschließenden Fahrlässigkeitsprüfung relevant. Ein unvermeidbarer Irrtum lässt zumindest die subjektive Vorhersehbarkeit im Rahmen der Schuld entfallen.

Wann ist die Schuld wegen Alkoholisierung ausgeschlossen?

Eine Schuldminderung nach § 21 StGB liegt regelmäßig ab 2,0 Promille Blutalkohol vor, ein Schuldausschluss (§ 20) ab 3,0 Promille.

Bei Tötungsdelikten sind diese Werte um jeweils 10 % anzuheben, da die Hemmschwelle hier derart hoch ist, dass auch ein erheblich alkoholisierter Mensch noch soweit steuerungsfähig ist, dass er das Unrecht einer derart gravierenden Tat erkennt.