Raub

Raub bezeichnet im deutschen Recht eine gewaltsame Aneignung.
Raub bezeichnet im deutschen Recht eine gewaltsame Aneignung.
(Letzte Aktualisierung: 14.03.2021)

Raub ist ein Delikt, bei dem man sich fremdes Eigentum mit Gewalt oder mit Hilfe einer schwerwiegenden Drohung nimmt. Neben dem eigentlichen Raub gibt es mit dem räuberischen Diebstahl und der räuberischen Erpressung noch Spezialfälle, die ähnliche Delikte darstellen.

Aus historischen Gründen ist der Raub mit erheblichen Freiheitsstrafen bedroht. Insbesondere der bewaffnete Raub zieht teilweise schon im Mindestmaß fünf Jahre Gefängnis nach sich. Aber auch der „einfache Raub“ stellt bereits ein Verbrechen dar.

Was ist Gewalt gegen eine Person?

Gewalt meint ausschließlich körperlich wirkenden Zwang durch Einwirkung auf einen anderen. Dieser Zwang muss nach Vorstellung des Täters bestimmt und geeignet ist, einen tatsächlich geleisteten oder erwarteten Widerstand zu überwinden oder unmöglich zu machen.

Ist psychischer Zwang auch Gewalt?

Nein. Eine Bedrohung oder ein rein psychischer Zwang stellt keine Gewalt dar, solange sie sich nicht körperlich auswirkt. Es kann sich aber um eine Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben handeln.

Was ist eine gegenwärtige Drohung im Sinne des § 249 StGB?

Eine Drohung im Sinne des § 249 StGB ist, wie allgemein, jedes Inaussichtstellen eines zukünftigen Übels, auf dessen Eintritt der Täter Einfluss zu haben vorgibt. Gegenwärtig ist die Drohung, wenn eine Schädigung entweder unmittelbar bevorsteht oder jederzeit in eine Schädigung umschlagen kann.

Welche Drohung ist ausreichend?

Im Gegensatz zur Nötigung oder zur einfachen Erpressung ist nicht jede Drohung mit einem Übel ausreichend. Vielmehr muss eine Gefahr für Leib und Leben, also entweder die Tötung oder eine zumindest nicht ganz unerhebliche Körperverletzung, angedroht werden.

Was ist der Finalzusammenhang beim Raub?

Der Finalzusammenhang bedeutet, dass die Gewalt bzw. Drohung gerade das Mittel zur Ermöglichung der Wegnahme sein muss. Dies ist dann der Fall, wenn eine zunächst aus anderen Gründen angewandte Gewalt fortwirkt und dann zur Wegnahme ausgenutzt wird. Das Ausnutzen einer vorher geschaffenen und noch vorliegenden Zwangslage ist dagegen nicht ausreichend. Besteht dagegen eine Pflicht dazu, eine bestehende Zwangslage, z.B. eine Fesselung, zu beenden, kann ein „Raub durch Unterlassen“ vorliegen.

Räuberischer Diebstahl

Kann ein Teilnehmer des § 242 zum Täter des § 252 werden?

Nein, der Täter muss hinsichtlich beider Tatteile Täterqualität aufweisen. Nur, wer den Diebstahl auch selbst begangen hat, kann Täter des räuberischen Diebstahls sein. Ansonsten bleibt er auch insoweit nur Teilnehmer.

Wann ist der Dieb auf frischer Tat betroffen?

Ein Betreffen auf frischer Tat liegt vor, wenn der Täter alsbald nach Vollendung des Diebstahls bemerkt wird. Die andere Person muss aus Sicht des Täters bereit sein, die Tatbeendigung zu verhindern. Dies ist auch dann der Fall, wenn der andere unmittelbar davorsteht, die Tat zu bemerken.

Räuberischer Angriff auf Kraftfahrer

Was ist ein Angriff im Sinne des § 316a StGB?

Ein nach § 316a StGB strafbarer Angriff auf einen Kraftfahrer liegt vor, wenn der Täter in feindseliger Willensrichtung auf den Körper des Opfers einwirkt oder er dessen Entschulussfreiheit beeinträchtigt. Der Angriff ist verübt, sobald die Einwirkung beginnt, unabhängig davon, ob der Raub vollendet wird. Gegenüber den Grunddelikt liegt hier also eine erheblich früherer Beginn der Vollendungsstrafbarkeit vor.

In welcher Situation ist § 316a anwendbar?

Jedenfalls müssen die besonderen Verhältnisse des Straßenverkehrs ausgenutzt werden, also die Gefahrenlage, die durch den fließenden Straßenverkehr geschaffen wird. Das Opfer muss dadurch in seiner Verteidigungsfähigkeit erheblich eingeschränkt sein.

Gilt § 316a auch, wenn das Auto bereits steht?

Es kommt nach der Rechtsprechung darauf an, ob für den räuberischen Angriff noch die besonderen Verhältnisse des Straßenverkehrs ausgenutzt werden. Bei einem verkehrsbedingten Halt (Stau, rote Ampel) gilt dies grundsätzlich schon, bei einem anderen Halt nur, wenn der Fahrer noch immer mit dem Bewältigen von Verkehrsvorgängen beschäftigt ist. Nach tatsächlicher Beendigung der Fahrt oder nach Ausstellen des Motors liegt diese Situation jedenfalls nicht mehr vor.

Gilt § 316a auch, wenn der Angriff vor Beginn der Fahrt erfolgt ist?

Dies ist sehr umstritten. Der BGH differenziert danach, ob das Opfer bereits von Anfang an unter Kontrolle des Täters stand und der Auto nur noch als Transportmittel verwendet wurde oder der Angriff in eine Entführung überging, zu deren Ausführung die besonderen Verhältnisse des Verkehrs ausgenutzt wurden. Diese Unterscheidung ist sehr schwer anwendbar und hochgradig einzelfallabhängig.

Gilt § 316a auch, wenn sich die Bereicherung nur auf das verbrauchte Benzin bezieht?

Nein, der bloße Benzinverbrauch ist nicht vom räuberischen Angriff auf Kraftfahrer erfasst. Davon strikt zu trennen ist jedoch ein Angriff auf einen Taxifahrer, um den Fahrpreis nicht bezahlen zu müssen. Denn hier wird ja nicht nur der Benzinverbrauch kostenlos erlangt, sondern die gesamte Beförderungsdienstleistung.