Tötungsdelikte

Was ist ein „sonstiger niedriger Beweggrund“?

Ein sonstiger niedriger Beweggrund, der aus einem Totschlag einen Mord macht, liegt vor, wenn das Motiv nicht nur verwerflich ist, sondern auf sittlich niederster Stufe steht und das Leben eines Anderen völlig degradiert. In vielen Fällen ist hier eine (durchaus problematische) Einzelfallentscheidung notwendig, die alle Umstände der Tat miteinbezieht. Insgesamt muss dieses Mordmerkmal eher eng ausgelegt werden, da es zur zwingenden lebenslangen Freiheitsstrafe führt.

Was bedeutet Habgier?

Aus Habgier tötet jemand, der sich unbedingt bereichern will, sei es auch um den Preis eines Menschenlebens. Typische Beispiele sind die Tötung, um die Versicherungssumme zu kassieren, sowie der Raubmord.

Was bedeutet die Befriedigung des Geschlechtstriebs?

Zur Befriedigung des Geschlechtstriebs tötet jemand, wenn er mit dem Tötungsakt selbst eine sexuelle Befriedigung erlangt oder sich an der Leiche vergehen will. Aber auch die (meist bedingt vorsätzliche) Tötung im Zuge einer Vergewaltigung fällt unter dieses Mordmerkmal.

Wann ist eine Tötung gemeingefährlich?

Gemeingefährlichkeit liegt nur vor, wenn das Tötungsmittel für eine unbestimmte Zahl anderer Personen Gefahren mit sich bringt. Entscheidend ist dabei, dass das gewählte Mittel nicht kontrollierbar ist und viele Menschen töten könnte. Beispiele dafür sind Brände, Explosionen und Überschwemmungen, aber auch das Werfen von Gegenständen auf eine Autobahn, da hier die Gefahr einer Massenkarambolage besteht. Nicht gemeingefährlich ist dagegen eine Pistolenkugel, da diese kaum mehr als eine Person treffen kann.

Was bedeutet Grausamkeit?

Grausam tötet, wer seinem Opfer in gefühlloser, unbarmherziger Gesinnung Schmerzen oder Qualen zufügt, die über das zur Tötung notwendige Maß hinausgehen. Die Schmerzen müssen also Absicht des Täters und nicht nur Begleiterscheinungen der Tötung sein. Beispiele sind Folterungen, aber auch das bewusste Verhungern- oder Verdurstenlassen des Opfers.

Was ist Heimtücke?

Heimtückisch handelt, wer die Arg- und Wehrlosigkeit des Opfers in feindseliger Willensrichtung zur Tötung ausnutzt.

Arglos ist, wer zu Beginn der ersten Tötungshandlung keinen Angriff erwartet. Wer schläft, ist also arglos, weil er seine Arglosigkeit dadurch demonstriert hat, dass er sich in Ruhe zum Schlafen hingelegt hat; anders ist es dagegen, wenn er sich vor Müdigkeit nicht mehr wach halten konnte oder gar bewusstlos wurde.

Wehrlos ist, wer aufgrund seiner Arglosigkeit keine oder geringere Möglichkeiten der Verteidigung hatte.

Ausnutzen liegt nur dann vor, wenn der Täter die Arg- und Wehrlosigkeit in seinen Tatplan miteinbezogen hat, um seine Tat zu erleichtern.

Feindselige Willensrichtung scheidet dann aus, wenn der Täter meint, zum Besten des Opfers zu handeln, es insbesondere zu „erlösen“ oder mit seinem Willen zu handeln.

Wann spielt § 28 bei den Mordmerkmalen eine Rolle?

Nur bei denen der ersten und dritte Gruppe, also bei den subjektiven Mordmerkmalen, da nur diese täterbezogen sind. Die objektiven Mordmerkmale der zweiten Gruppe sind praktisch Tatbestandsmerkmale, sodass es hier ausreichend ist, wenn der Teilnehmer Vorsatz bezüglich ihres objektiven Vorliegens hat.

Was ist, wenn nur der Teilnehmer ein subjektives Mordmerkmal aufweist?

Dies spielt für § 28 keine Rolle, die Tat bleibt dann nach der Handlung des Täters ein Totschlag. Dementsprechend ist auch der Teilnehmer nur wegen Teilnahme am Totschlag strafbar.

Wie wird § 28 bei den subjektiven Mordmerkmalen angewandt?

Die Mordmerkmale sind nach der Rechtsprechung des BGH, der in Mord und Totschlag zwei unterschiedliche, nebeneinander stehende Delikte sieht, strafbegründend. Damit ist § 28 Abs. 1 StGB anzuwenden.

Der Teilnehmer muss also Vorsatz bzgl. der subjektiven Mordmerkmale beim Täter haben, selbst diese Merkmale aber nicht aufweisen. Weist er sie selbst auf, wird er aus dem normalen Strafrahmen bestraft, ansonsten ist seine Strafe gemäß §§ 28 Abs. 1, 49 StGB zu mildern.

Was bedeutet Mordlust?

Als Mordlust wird es verstanden, wenn es dem Täter gerade darauf ankam, jemanden zu töten. Die Motive dahinter müsse Angeberei oder Zeitvertreib sein, der Nervenkitzel dahinter oder eine Art Vergnügen oder Interesse am Tötungsakt. Dieses Mordmerkmal liegt relativ selten vor und ist insgesamt auch schwer nachzuweisen.